Helmut Thiele

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Helmut Thiele, * 16. Mai 1921 in Kassel, † 17. Juni 2008 in Kassel, Studiendirektor an der Heinrich-Schütz-Schule, bedeutender Kasseler Genealoge.

Helmut Thiele
Hiltgunde Thiele
Polizei- und Kommerzienzeitung, Startnummer 1731, Grundlage für Einwohner und Familien der Stadt Kassel (1986).

Inhaltsverzeichnis

Kasseler Stadtgeschichte – genealogisch

Helmut Thiele übernahm 1979 die Federführung bei dem Projekt einer 1976 gegründeten Arbeitsgruppe der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck: Diese hatte sich vorgenommen, die im Krieg verbrannten Kasseler Kirchenbuchbestände (Lücke von ca. 1730 bis ca. 1830) nach Möglichkeit datenmäßig zu rekonstruieren. Grundlage für das Projekt waren hauptsächlich die wöchentlich in der Casselischen Zeitung von Policey, Commercien etc. (1731 ff.) und den Nachfolgezeitungen veröffentlichten Mitteilungen aus den Kasseler Kirchengemeinden betr. Heiraten, Geburten und Sterbefälle.[1] Unter dem Projektleiter Thiele waren rund ein Dutzend Mitarbeiter tätig, die die Zeitungsnachrichten exzerpierten, nach einem bestimmten System ordneten und damit zugänglich machen konnten. Das Ergebnis legte Thiele, der organisatorisch die Hauptlast trug, 1986 in den 13 Bänden Einwohner und Familien der Stadt Kassel vor, die rund 160 000 Daten enthalten. Damit konnte ein Kriegsschaden beseitigt werden, der die Forschungen zur Kasseler Stadtgeschichte im allgemeinen und die private Familienforschung im besonderen beträchtlich behindert hatte, oft genug auch unmöglich gemacht hatte.[2]

In den Folgejahren wertete Thiele die Kasseler Kirchenbücher aus, die den Krieg überdauert hatten (bei den Einzelgemeinden bzw. im Staatsarchiv Marburg), zog vielfach auch weitere archivalische Materialien heran, so daß er schließlich sogar soziale Strukturen der Stadtviertel Altkassels aufdecken konnte. In mehreren umfangreichen Bänden machte Thiele seine Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich.

Thiele hatte seinen Blick nicht nur auf die christlichen, sondern auch auf die jüdischen Einwohner und Familien Kassels gerichtet; diese erfaßte und publizierte er in drei weiteren Bänden.

Seine Frau: Hiltgunde Thiele geb. Kusina, * 23. April 1923 in Kassel, Bibliothekarin, ebenfalls stadtgeschichtlich tätig, unter anderem Bearbeiterin von Wolfgang Hermsdorffs Blick zurück; sie unterstützte Paul Schmaling beim Künstlerlexikon Hessen-Kassel 1777 – 2000.[3]

Auszeichnungen für Helmut Thiele

  • 1986 Kasseler Stadtmedaille
  • 1991 Ehrenbrief des Landes Hessen
  • 2007 Wappenring der Stadt Kassel

Publikationen von Helmut Thiele

Einzelschriften

  • Einwohner und Familien der Stadt Kassel. Eheschließungen, Geborene, Verstorbene 1731 – 1839. 13 Bde. Hrsg. v. H. Thiele u. der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck. Kassel: Thiele 1986.
  • Die israelitische Gemeinde zu Kassel im 19. Jahrhundert. Familien, Eheschließungen, Geborene, Verstorbene. Kassel: Thiele 1986. 398 S.
  • Die Kasseler Oberneustadt 1693 – 1735. Einwohner und Familien. (Forschungen zur hessischen Familien- und Heimatkunde Bd. 72.) Frankfurt/Main, Kassel 1990. 390 S.
  • Die Kasseler Altstadt zur Zeit des Landgrafen Karl. Einwohner und Familien. (Forschungen zur hessischen Familien- und Heimatkunde Bd. 76.) Frankfurt/Main, Kassel 1991. X + 729 S.
  • Die Kasseler Altstadt zur Zeit des Landgrafen Karl. Einwohner und Familien der Freiheiter Gemeinde. 2 Bände. Band 1: 1680 – 1735, Copulationen, Taufen, Konfirmationen; X + 651 S., chronolog.; Band 2: 1680 – 1735, Begräbnisse; IV + 731 S., chronolog., Personenregister. Kassel: Thiele 1994.
  • Die Kasseler Hofgemeinde zur Zeit des Landgrafen Karl. Kassel: Thiele 1996. 429 S.
  • Die jüdischen Einwohner der Stadt Kassel im 18. Jahrhundert. Kassel: Thiele 2000. 97 S.
  • Die Französische Gemeinde der Kasseler Altstadt 1686 – 1735. Kassel: Thiele 2001. 328 S.
  • Die Einwohner der Stadt Kassel im 18. Jahrhundert. Adressen und soziale Strukturen. Kassel: Thiele 2001. 549 S.
  • Die jüdischen Einwohner zu Kassel 1700 – 1942. Familiendaten und Adressen. Kassel: Thiele 2006.

Beiträge

  • Einwohner und Familien der Stadt Kassel. Eheschließungen, Geborene, Verstorbene 1731 – 1839. In: Hess. Familienkunde 18, H. 8, 1987, Sp. 463 – 474.
  • Die israelitische Gemeinde in Kassel im 19. Jahrhundert. In: Hess. Familienkunde 19, H. 2, 1988, Sp. 85 – 88.
  • Die Kasseler Oberneustadt 1693 – 1739. In: Hess. Familienkunde 20, H. 5, 1991, Sp. 349 – 352.
  • Die Vororte der Residenzstadt Kassel im Spiegel ihrer Kirchenbücher und der ersten Zeitung 1680 – 1735. In: Chronik der Stadt Baunatal, Bd. 3: In Untertänigkeit absolutistischer Fürstenmacht. Hrsg. v. Magistrat der Stadt Baunatal. [Baunatal] 1997. S. 141 – 156.

Quellen

  • Guth, Werner: Sicherung und familienkundliche Auswertung der Kasseler Polizei- und Kommerzienzeitung (1731 ff.). In: Hessische Familienkunde, Bd. 14, Heft 2, 1978, S. 101 f. -- Text des obigen Artikels z. T. nach persönlicher Kenntnis (Guth).

Querverweise

Netzverweise

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Guth 1978.
  2. Zwei Beispiele für eine genealogische Klärung mit Hilfe von Thieles Publikationen: Vorfahren von Hartmann Herzog und Abstammung und Verwandtschaft von Albrecht Rosengarten, ein stadtgeschichtliches Beispiel: Die Oberneustadt und die Hugenotten.
  3. Mit den Malerkolonien Willingshausen und Kleinsassen. Kassel 2001. Ergänzungsband Künstlerlexikon ... 2001 – 2010. Kassel 2011. – Karl-Hermann Wegner im Vorwort zum Künstlerlexikon 2001: „Hier ist vor allem der unermüdliche Einsatz von Frau Hiltgunde Thiele zu nennen, die als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Stadtmuseums Biographien historischer Persönlichkeiten erarbeitet und Fragen zur Personen- und Sozialgeschichte erforscht [hat]. Sie hat seit [1993] eine Fülle sicherer Daten beigesteuert."


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