Oberpostamt in der Hohentorstraße

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Das erste Oberpostamt in Kassel, Hohentorstraße.

Das erste Oberpostamt in der Hohenthorstraße zu Cassel 1767. Gemälde von Ernst Metz 1952. -- E. Metz, Hochfürstl. Hess. Residenzsztadt Cassel (1961), S. 41, Taf. 17; hier: Archiv Harald Metz, Bickenbach.

Inhaltsverzeichnis

Das Oberpostamt

1707 „errichtete der Stadtbaumeister Johann Christoph Suck mit Landgräflicher Genehmigung […] ein ,steinernes Gebäude‘, das die benachbarten Fachwerkhäuser überragte und auch sonst durch seine ,moderne‘, – mit Mittel- und Ecklisenen und Gurtgesimsen, dem Geschmack des späten Barock folgende Bauweise – abstach und auffiel. […] Im Jahre 1728 verkaufte die Witwe“ von „Johann Christoph Suck das ihr testamentarisch vermachte Haus an den Postmeister Georg Ernst Schmidt, und so ist es leicht zu erklären, daß im Jahre 1742 das ,Hochfürstlich-Hessische Oberpostamt‘ hierher verlegt wurde. – Ihm waren alle übrigen Postverwaltungen und Posthaltereien im Lande mit allen dazugehörigen Bediensteten unterstellt. Auch die Kasselsche Posthalterei, die sich hinter dem Fürstlichen Marstall befand und vor allem die Pferdeställe und Wagenschuppen enthielt, war ein Bestandteil des Oberpostamtes. – Bis etwa 1773 ist das Postamt in diesem Hause verblieben; dann siedelte es in das – inzwischen eigens für solche Zwecke in den Jahren 1771–72 erbaute geräumige Posthaus am Königsplatz über.“[1]

Spätere Verwendung des Gebäudes

„Das bisherige Postgebäude wurde 1775 von dem Oberappellationsgerichtsrat von Motz erworben. 1817 gehörte es dem Schreinermeister Miram und 1837 dem Instrumentenmacher Luckhardt. Bis 1871 hatte der in Kassel populäre Tanzlehrer Labassée seine Wohnung im Hause. – Noch mehrmals wechselte das Haus seinen Besitzer: so befand sich längere Zeit das ,Evangelische Vereinshaus‘ und später die ,Herberge zur Heimat‘, die wandernden Handwerksgesellen ein billiges Asyl bot, in ihm. – Am 1. August 1882 wurde hier eine christliche Buchhandlung [gegründet], die am 1. Januar 1886 in den Besitz Ernst Röttgers, eines weitgereisten und äußerst erfahrenen Buchhändlers kam, dessen Namen sie noch heute [1961] trägt, obwohl inzwischen die dritte Generation der Buchhändlerfamilie Lometsch Buchhandlung und Verlag besitzt.“[2]

Die Nachbarhäuser

Das Haus links des Oberpostamts: „An der Ecke der Hohenthorstraße – Kasernenstraße bei dem Todtenthore‘ befand sich der Burgsitz der Wolfen von Gudenberg, den sie, an Stelle ihres ursprünglichen ,Freyhauses bey dem alten Thore‘ um 1660 von dem ,Sekretarius‘ Heinrich Arnold erworben hatten.“[3]

Das Haus rechts des Oberpostamts: „Das Fachwerkgebäude mit dem vorspringenden Erker und dem Renaissancetor […] war das alte Dekanatsgebäude, das, zusammen mit dem Archidiakonat, früher wohl das ehemalige Kapitularhaus des St. Martinsstifts gewesen war.“[4]

Das Pädagogium

„Dem Posthaus gegenüber lag der alte, schon 1365 erwähnte“, zur Zeit des Postamts „nicht mehr benutzte Stiftsfriedhof, der von einer Mauer umgeben war, die am östliche Flügel des Stiftsgebäudes ansetzte. Von der tiefer gelegenen Gasse führten einige Stufen zu der spitzbogigen Toranlage, und von dort gelangte man zu dem ,Pädagogium‘. Die ehemaligen, aus drei Flügeln bestehenden Stiftsgebäude legten sich in Form eines verschobenen Rechtecks vor die Nordseite der St.-Martinskirche. Auf einem massiven Unterbau mit Strebepfeilern und Spitzbogenfenstern, die denen der Kirche entsprochen haben werden, erhob sich ein, wohl erst später aufgeführter Fachwerkbau, der das Dach trug. Landgraf Philipp der Großmütige ließ nach Einführung der Reformation und Aufhebung der Klöster die Stiftsgebäude dann so einrichten, daß die damals angestellten drei Lehrer der Kasseler Stadtschule, des sogenannten ,Pädagogiums‘, darin ihre Wohnung erhielten, und daß im langen Flügel, entlang der ,Hohethorgasse‘ drei große gemauerte und gewölbte ,Auditoria‘ als Unterrichtsräume entstanden. 1776/1777 wurde das Bauwerk wegen Einsturzgefahr unter Landgraf Friedrich II. abgebrochen.“[5]

Exkurs: Postwesen in Hessen

„Postalische Einrichtungen gab es in Hessen schon unter Landgraf Philipp dem Großmütigen, aber erst im Verlaufe des 17. Jahrhunderts sind die Anfänge eines geregelten Postwesens zu erkennen. Landgraf Wilhelm VI.“ hatte 1663 „einen Fürstlich-Hessischen Postmeister ernannt. Schon 1642 hatte der Reichs-General-Erb-Postmeister, Graf Lamoral von Thurn und Taxis […], ständig bestrebt, die ,größte und älteste Reichspost‘ über ganz Deutschland auszudehnen, ohne Erlaubnis und Bewilligung der Hessischen Regierung ein Taxis’sches Postamt in Kassel eingerichtet […]. – Bei solchen Übergriffen konnte der Graf auf die Unterstützung des kaiserlichen Hofes in Wien rechnen. – Immerhin hat dies Taxis’sche Postamt über 25 Jahre in Kassel bestanden.“ Beim Tod des Taxis’schen Postmeisters Bernhard Parwein im Jahr 1667 verbot die Landgräfin Hedwig Sophie die Fortführung dieses Postamts. Hessen behielt „sein eigenes souveränes Postwesen, bis Kurfürst Wilhelm I. im Jahre 1817 – gleich Preußen und anderen Staaten – den Fürsten von Thurn und Taxis damit belehnte“.[6]

„Die hessischen Posten sollen zu Beginn des 18. Jahrhunderts ,ohne Vergleich die besten in ganz Deutschland‘ gewesen sein. Eine ganze Reihe von ,Coursen‘ war nach und nach eingerichtet worden, die regelmäßig gefahren wurden. So fuhren die Berliner, der Holländische, der Frankfurter und der Leipziger Cours wöchentlich zweimal, andere, wie der ,neue Bremer‘, der Eisenachische und der Hannover-Hamburgische einmal in der Woche.“[7]

Quellen

  • Metz, Ernst: Hochfürstlich Hessische Residenzstadt Cassel. Kassel 1961.

Querverweise

Anmerkungen

  1. Metz 1961, S. 95.
  2. Metz 1961, S. 95.
  3. Metz 1961, S. 94 f.
  4. Metz 1961, S. 95.
  5. Metz 1961, S. 96.
  6. Metz 1961, S. 95 f.
  7. Metz 1961, S. 96.

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